Worum geht's
"40 rein, 70 raus, 30 Gewinn" ist keine Kalkulation, sondern eine Subtraktion. Zwischen deinem Einkaufspreis und dem, was am Monatsende auf dem Konto liegt, stehen Provision, Fixgebühr, Versand, Verpackung, Retouren und die Umsatzsteuer. Bei einem 89-Euro-Artikel sind das schnell 20 Euro, die in der Kopfrechnung fehlen. Und selbst ein rechnerisch guter Deal ist wertlos, wenn dein Geld fünf Monate im Regal steht. Deshalb gibt es hier genau einen Rechenweg, und der endet immer mit vier Zahlen.
So rechnest du
Die Formel in einer Zeile:
Gewinn = Erlös − Marktplatzkosten − Versand − Verpackung − Retourenanteil − Einkaufspreis
Alle Posten in derselben Währung: netto, wenn du regelbesteuert bist. Brutto, wenn du Kleinunternehmer bist. Nie gemischt – das ist der häufigste Rechenfehler überhaupt.
1. Realistischer Verkaufspreis. Nicht der höchste Preis, den du gesehen hast. Der Preis, zu dem in den letzten 90 Tagen tatsächlich verkauft wurde. Wie du den belegst, steht in Preishistorie & Sell-Through.
2. Erlös bestimmen.
- Regelbesteuerung, normale Ware: Verkaufspreis brutto geteilt durch 1,19. Die Umsatzsteuer gehört nicht dir.
- Kleinunternehmer: Brutto ist dein Erlös. Du führst keine Umsatzsteuer ab, ziehst dafür aber auch nirgends Vorsteuer. Details in Kleinunternehmer oder Regelbesteuerung.
- Gebrauchtware von privat, Differenzbesteuerung nach § 25a UStG: Umsatzsteuer fällt nur auf die Differenz zwischen Verkaufs- und Einkaufspreis an, mit 19/119 herausgerechnet. Der ermäßigte Satz von 7 % gilt hier nie.
3. Marktplatzkosten abziehen. Prozentsatz mal Bemessungsgrundlage plus Fixgebühr pro Bestellung. Bei eBay ist die Bemessungsgrundlage der Gesamtbetrag inklusive der vom Käufer gezahlten Versandkosten – wer den Versand vergisst, rechnet die Provision zu niedrig. Die aktuellen Sätze pro Marktplatz stehen in der Gebührenkarte 2026.
4. Versand und Verpackung abziehen. Dein tatsächlicher Preis beim Dienstleister, nicht der Schalterpreis. Verpackung heißt Karton plus Polster plus Klebeband – realistisch 0,40 bis 1,50 Euro.
5. Retourenanteil abziehen. Nicht "kommt selten vor", sondern eine Zahl: Retourenquote mal Kosten je Retoure. Kosten je Retoure sind Rücksendeetikett plus neue Verpackung plus Wertminderung. Wenn du noch keine eigene Quote hast, rechne konservativ und korrigiere nach 50 Verkäufen mit deinen echten Zahlen.
6. Einkaufspreis abziehen. Regelbesteuert und mit ausgewiesener Umsatzsteuer auf der Rechnung: netto ansetzen. Von privat gekauft oder ohne Vorsteuerabzug: brutto ansetzen.
7. Die vier Ergebniszahlen bilden.
| Kennzahl | Rechnung |
|---|---|
| Gewinn je Stück | Ergebnis der Formel, in Euro |
| ROI | Gewinn geteilt durch eingesetztes Kapital, in Prozent |
| Liegezeit | erwartete Tage bis verkauft |
| ROI pro Monat | ROI geteilt durch Liegezeit in Monaten |
Eingesetztes Kapital ist der Einkaufspreis plus alles, was du vor dem Verkauf bezahlst: Anfahrt, Aufbereitung, Wareneingangsversand. ROI pro Monat ist die Zahl, die zählt – sie macht einen langsamen 40-Prozent-Deal mit einem schnellen 25-Prozent-Deal vergleichbar.
Beispiel A: Neuware, Regelbesteuerung, eBay
Bluetooth-Kopfhörer, Kategorie Zubehör, Verkauf zu 89,00 Euro inklusive Versand. Provision 12 %, Fixgebühr 0,45 Euro netto pro Bestellung – bei Bestellwert über 10 Euro; bis 10 Euro bleibt es bei 0,35 Euro. Einkauf 52,00 Euro brutto mit ausgewiesener Umsatzsteuer.
eBay weist die Gebühren netto aus. Der Prozentsatz läuft auf den Bruttogesamtbetrag der Bestellung, das Ergebnis ist die Nettogebühr. Brutto kommen darauf noch 19 % Umsatzsteuer.
| Posten | Brutto | Netto |
|---|---|---|
| Verkaufspreis | 89,00 | 74,79 |
| Provision 12 % | −12,71 | −10,68 |
| Fixgebühr | −0,54 | −0,45 |
| Versand | −5,49 | −4,61 |
| Verpackung | −0,60 | −0,50 |
| Retouren (6 % × 12,00) | −0,72 | −0,61 |
| Einkauf | −52,00 | −43,70 |
| Gewinn | 14,24 |
ROI = 14,24 / 43,70 = 32,6 %. Liegezeit 45 Tage = 1,5 Monate. ROI pro Monat = 21,7 %.
Die Kopfrechnung hätte 37 Euro gesagt. Es sind 14,24 Euro.
Beispiel B: Gebrauchtartikel von privat, Differenzbesteuerung, eBay
Spielekonsole gebraucht, Einkauf 140,00 Euro von privat. Verkauf 210,00 Euro plus 6,99 Euro Versand vom Käufer. Zustand "gebraucht", Provision 5 % auf den Gesamtbetrag inklusive Versand.
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Einnahmen (210,00 + 6,99) | 216,99 |
| Umsatzsteuer auf die Differenz: (216,99 − 140,00) × 19/119 | −12,29 |
| Provision 5 % auf 216,99, netto | −10,85 |
| Fixgebühr, netto | −0,45 |
| Versand, netto | −5,87 |
| Verpackung, netto | −1,01 |
| Retouren (8 % × 15,00), netto | −1,01 |
| Einkauf (kein Vorsteuerabzug) | −140,00 |
| Gewinn | 45,51 |
ROI = 45,51 / 140,00 = 32,5 %. Liegezeit 30 Tage = 1 Monat. ROI pro Monat = 32,5 %.
Beispiel B hat den niedrigeren ROI und ist trotzdem der bessere Deal – weil das Kapital dreimal so oft im Jahr umschlägt.
Als Kleinunternehmer rechnest du Beispiel A komplett brutto. Die Marktplatzgebühren setzt du dann mit ihrem Bruttobetrag an, weil du keine Vorsteuer ziehst: 89,00 − 12,71 − 0,54 − 5,49 − 0,60 − 0,72 − 52,00 = 16,94 Euro, ROI 32,6 %. Bei Ware mit ausgewiesener Vorsteuer ändert die Besteuerungsart am ROI also wenig. Deutlich wird der Unterschied erst beim Einkauf ohne Vorsteuer. Welche Variante für dich günstiger ist, ist eine Frage für deinen Steuerberater, nicht für eine Faustregel.
Schwellenwerte als Faustregel
Das sind KETER-Faustregeln, kein Gesetz. Passe sie an deine Kapitaldecke und deinen Lagerplatz an.
| Kennzahl | BUY | HOLD | SKIP |
|---|---|---|---|
| Gewinn je Stück | ab 8 Euro | 5 bis 8 Euro | unter 5 Euro |
| ROI | ab 25 % | 15 bis 25 % | unter 15 % |
| ROI pro Monat | ab 15 % | 8 bis 15 % | unter 8 % |
| Liegezeit | bis 60 Tage | 60 bis 90 Tage | über 90 Tage |
HOLD heißt: nachverhandeln, Menge halbieren oder auf einen besseren Einkaufspreis warten. SKIP gilt auch dann, wenn nur eine Zahl sauber aussieht, die Datenlage aber dünn ist – unter zehn belegten Verkäufen in 90 Tagen rechnest du mit Vermutungen.
Maximale Stückzahl: nie mehr, als der Markt in 30 Tagen aufnimmt, geteilt durch die Zahl der Anbieter. Diese Zahl kommt aus der Sell-Through-Rate, nicht aus dem Bauch.
Rechne die Formel ein paar Mal von Hand, bis der Ablauf sitzt. Danach ist ein Rechner sinnvoll als Gegenprobe – Flipcheck zieht Gebühren, Preishistorie und Marge zusammen und gibt BUY/HOLD/SKIP aus, der Batch-Check macht aus einer Ping-Liste mit 40 EANs in einem Durchgang eine sortierte Liste. Die Entscheidung triffst trotzdem du.
Die teuersten Fehler
- Provision nur auf den Artikelpreis rechnen. Bei eBay zählt der Gesamtbetrag inklusive Versand. Bei 6,99 Euro Versand und 12 % fehlen 0,84 Euro pro Verkauf – bei 200 Verkäufen 168 Euro.
- Brutto und netto mischen. Verkaufspreis brutto minus Einkaufspreis netto ergibt einen Fantasiegewinn von rund 16 % des Verkaufspreises. Bei 89 Euro sind das 14 Euro, die es nie gab.
- Retouren mit null ansetzen. Bei 6 % Quote und 12 Euro je Rückabwicklung kostet dich das über 17 Verkäufe verteilt jeweils gut 0,70 Euro. Wer das weglässt, kauft systematisch Deals, die knapp unter der Schwelle liegen.
- Liegezeit ignorieren. 30 % ROI in vier Monaten sind 7,5 % pro Monat. Das schlägt kein Lagerplatz und keine Kapitalbindung wieder heraus.
- Menge ohne Marktprüfung. Zwölf Stück in einem Markt, der zwei pro Monat aufnimmt, bedeuten sechs Monate Liegezeit für das letzte Stück – und in dieser Zeit fällt der Preis.
Wenn's schiefgeht
Der Deal ist gekauft und die Zahlen stimmen nicht:
- Rechne den Ist-Zustand neu, mit echten Zahlen. Gebührenabrechnung, tatsächliche Versandkosten, tatsächliche Liegezeit. Nicht die Planung wiederholen.
- Trenne Preisproblem von Geschwindigkeitsproblem. Keine Aufrufe heißt Sichtbarkeit oder Titel. Aufrufe ohne Käufe heißt Preis. Käufe mit Verlust heißt Kalkulationsfehler.
- Entscheide bewusst zwischen Halten und Abverkauf. Ein Artikel, der 90 Tage steht, bindet Kapital, das anderswo 15 % pro Monat bringen könnte. Verkauf zum Selbstkostenpreis ist oft die günstigere Entscheidung als weiteres Warten. Danach trägst du die echte Quote in deine Formel ein.
Stand & Quellen
Stand: 08/2026
- eBay Verkäuferportal – Gebühren für gewerbliches Verkaufen
- eBay Verkäuferportal – Gebührenänderungen zum 1. Juli 2026
- § 25a UStG – Differenzbesteuerung, Gesetzestext
- § 19 UStG – Kleinunternehmer, Gesetzestext
Provisionssätze ändern sich mehrmals pro Jahr und unterscheiden sich je Kategorie und Artikelzustand. Prüfe den Satz für deine Kategorie vor jedem größeren Einkauf direkt beim Marktplatz nach. Dieser Guide erklärt die Rechenregel, er ist keine Steuerberatung.
